NZZ Live mit Niklas Frank • Talk
Der Autor und Sohn eines Naziverbrechers im Gespräch zur Last der Vergangenheit
Der Nationalsozialismus ist das am besten erforschtes Thema der jüngeren Geschichte. Doch 80 Jahre nach dem Ende des «Dritten Reichs» droht die Erinnerung an das Schreckensregime Hitlers, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg zu verblassen. Die Zeitzeugen, die über das damalige Grauen berichten können, werden immer weniger. Zugleich leben Antisemitismus und politischer Extremismus wieder auf. Was sind die Gründe dafür – und was ist zu tun?
Der Autor Niklas Frank kämpft gegen dieses Vergessen. Hans Frank, sein Vater, war Hitlers Starjurist, ging als «Schlächter von Polen» in die Geschichte ein und wurde 1946 als einer der Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg hingerichtet. Als «Täterkind» arbeitet der 1939 geborene Niklas Frank seit Jahrzehnten schonungslos die eigene Familiengeschichte auf. Das Buch "Der Vater" ist eine radikale Abrechnung mit seinem Erzeuger und sorgte für Furore. Es folgten weitere Werke über seine Mutter und seinen Bruder, in denen er weitere Facetten der Verstrickung in die Nazi-Verbrechen sowie das Gefühl der Schuld thematisierte.
Im Gespräch mit Marc Tribelhorn, Historiker und stellvertretender Feuilletonchef der NZZ, spricht Niklas Frank über seine dunkle Familiengeschichte, die Probleme der Erinnerungskultur und die politischen Herausforderungen der Gegenwart. Wie lebt man mit dem Wissen, Sohn eines Naziverbrechers zu sein? Welche Verantwortung tragen wir als Gesellschaft in Zeiten zunehmender Judenfeindlichkeit?
Veranstalter:
Kaufleuten Kultur und Restaurant Kaufleuten in Kooperation mit NZZ Live