Lesung: Liao Yiwu
Dem chinesischen Dissidenten ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt worden, eine der anerkanntesten Auszeichnungen der kulturellen Welt. Der Schriftsteller, Dichter und Musiker kommt mit seinem bewegenden neuen Buch zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu uns. Moderation: Martin Ebel (Tages-Anzeiger).
Liao Yiwu, der für ein Gedicht über das Tian’anmen-Massaker selber vier Jahre inhaftiert und schwer misshandelt wurde, führte über Jahre hinweg heimlich Interviews mit Augenzeugen und Angehörigen der Opfer. Entstanden ist ein ebenso schockierendes wie bewegendes Zeugnis der unfassbaren Ereignisse vom 4. Juni und eine Verneigung vor den mutigen Menschen, die für ihre Überzeugungen mit ihrem Leben einstanden. Die Kugel und das Opium. Schicksale vom Platz des Himmlischen Friedens (S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2012)
Am frühen Morgen des 4. Juni 1989 mobilisierte die chinesische Regierung die Volksbefreiungsarmee, um die friedlichen Demonstrationen Zehntausender Studenten niederzuschlagen, die mehr Freiheit und Demokratie forderten. Am Platz des Himmlischen Friedens richteten sie ein Massaker an, das die Welt schockierte. Wie viele Menschen die Panzer niederrollten, wie viele Studenten von Soldaten erschossen oder zu Tode geprügelt wurden, gab die chinesische Regierung nie bekannt.
Liao Yiwu, geboren 1958 in der Provinz Sichuan, wuchs als Kind in großer Armut auf. 1989 verfasste er das Gedicht Massaker, wofür er verhaftet wurde. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis Freiheit zum Schreiben ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde. 2009 erschien auf Deutsch sein von Kritik und Publikum euphorisch begrüßtes Buch Fräulein Hallo und der Bauernkaiser – Chinas Gesellschaft von unten, das in China verboten ist. 2011 als sein Gefängnisbericht Für ein Lied und hundert Lieder in Deutschland erschien, gelang es Liao Yiwu, China zu verlassen. Seitdem lebt er in Berlin. Im November 2011 wurde ihm der Geschwister-Scholl-Preis verliehen; im März 2012 erhielt er für Vier Lehrmeister den Hörbuchpreis 2011.
Das Gespräch mit dem Autor führt Martin Ebel (Tages-Anzeiger). Liao Yiwu spricht Chinesisch, das Gespräch wird ins Deutsche übersetzt. Der deutsche Text wird von einem Schauspieler gelesen.
Porträtfoto Liao Yiwu: Ali Ghandtschi
Veranstalter:
Diese Veranstaltung findet in einer Kooperation zwischen Kaufleuten Kultur und dem Tages-Anzeiger mit freundlicher Unterstützung der Zürcher Kantonalbank statt.